Korean Hangover Culture

Warum Korea das schon länger gelöst hat

In Deutschland ist der Kater eine Privatangelegenheit. Man leidet still, trinkt Cola, isst was Fettiges und erzählt niemandem davon.

In Korea gibt es dafür ein eigenes Wort, eine eigene Küche und ein eigenes Regal im Supermarkt.

Erstmal: Warum in Korea so viel getrunken wird

Trinken ist in Korea kein reines Freizeitvergnügen, sondern gehört zum Arbeitsleben. Nach Feierabend geht die Abteilung zusammen essen und trinken – das nennt sich Hoesik, und es ist kein Vorschlag. Wer nicht mitkommt, fällt auf.

Getrunken wird vor allem Soju: der koreanische Nationalschnaps, klar, leicht süßlich, mit 16 bis 20 Prozent deutlich schwächer als Wodka. Er kommt in kleinen grünen Flaschen und wird nicht als Kurzer gekippt, sondern über den ganzen Abend zum Essen getrunken. Was die Menge angeht, macht das keinen Unterschied: Ein durchschnittlicher Koreaner trinkt 53 Flaschen Soju im Jahr.

Der entscheidende Punkt ist aber: Am nächsten Morgen sitzt du trotzdem im Büro. Es gibt kein „ich nehm mir mal einen Tag". Genau daraus ist eine ganze Kultur entstanden, die sich damit beschäftigt, wie man den Tag danach übersteht.

Ein Wort, das es bei uns nicht gibt

Haejang (해장) bedeutet ungefähr: den Rausch auflösen. Der Begriff geht auf ein älteres Wort zurück, das genau das beschreibt – die Nachwirkungen von Alkohol lindern.

Bei uns gibt es dafür nur Umschreibungen. „Katerfrühstück" trifft es nicht ganz, weil Haejang keine Mahlzeit ist, sondern ein Vorgang. Etwas, das man macht. Etwas, das dazugehört.

Und da liegt der eigentliche Unterschied. In Korea ist der Morgen danach kein Betriebsunfall, sondern die zweite Hälfte des Abends. Man plant ihn mit ein.

Die Suppe

Die Suppe

Die bekannteste Form von Haejang ist Haejangguk (해장국) – wörtlich die Suppe, die den Rausch vertreibt.

Die Geschichte dazu ist bodenständiger, als man denkt. Das älteste bekannte Haejangguk-Restaurant Seouls öffnete 1937 als Suppenküche für Holzfäller und kochte Rinderknochen 24 Stunden lang aus. Kein Wellness-Konzept, sondern Essen für Leute, die früh raus mussten.

Heute gibt es sie in unzähligen Varianten – mit Sojasprossen, mit getrocknetem Pollack, mit Kohlblättern in Sojabohnenpaste. Warm, salzig, würzig. Jedes Viertel hat mindestens einen Laden dafür, und man muss keinen Kater haben, um Haejangguk zu essen.

Was in dieser Suppe steckt, ist gar nicht so weit weg von dem, was wir heute wissen: Flüssigkeit, Salz, Mineralstoffe, etwas Warmes im Magen. Was am nächsten Morgen im Körper passiert →

Das Regal, das es bei uns nicht gibt

Der zweite Teil der koreanischen Antwort steht im Convenience Store, direkt an der Kasse.

Das erste kommerzielle Katerprodukt Koreas kam 1992 auf den Markt: Condition, hergestellt von einem Pharmaunternehmen. Es führt den Markt bis heute mit über 40 Prozent Anteil an. Daneben stehen Dutzende Konkurrenten – Getränke, Sticks, Gummibonbons, Tabletten.

Wie groß das ist, überrascht die meisten Europäer: Der Markt für Katermittel hatte 2022 laut Nielsen Korea ein Volumen von rund 241 Millionen Dollar. Eine Convenience-Store-Kette hat sogar ein Eis auf den Markt gebracht – den Gyeondyo-Bar, übersetzt etwa „halt durch".

Und noch ein Detail, das viel über die Denkweise verrät: Über die Hälfte dieser Produkte wird nicht danach gekauft, sondern davor. Man geht nicht unvorbereitet in den Abend.

Genau dieses Regal war der Anfang von 5AM. Daniels Cousins haben uns ein Paket davon geschickt, wir standen in der Küche mit einem Haufen Flaschen und Gels, auf denen kein Wort Deutsch stand, und haben uns durchprobiert.

Ehrlich gesagt hat uns kaum etwas davon geschmeckt. Aber die Idee dahinter hat sofort eingeleuchtet. Wie 5AM entstanden ist →

Korean inspired, in Deutschland gebraut.Zum Produkt

Korea in Zahlen

1992Erstes kommerzielles Katerprodukt: Condition.
40 %Marktanteil von Condition bis heute.
241 Mio $Marktvolumen für Katermittel 2022.
53Flaschen Soju pro Kopf und Jahr.

Was wir übernommen haben – und was nicht

Die Haltung. Der Gedanke, dass man sich um den Morgen danach kümmert, statt ihn einfach auszuhalten. Das ist der Kern von 5AM.

Den Zeitpunkt. In Korea nimmt man diese Produkte vor dem Trinken oder direkt danach, nicht erst, wenn der Schaden da ist. Auch deshalb ist bei uns kein Koffein drin – du sollst danach schlafen können.

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Nicht übernommen: den Geschmack. Viele koreanische Produkte sind auf koreanische Vorlieben abgestimmt – süßlich, kräuterig, manche erinnern an Hustensaft. Als Shot von 100 ml funktioniert das. Als Getränk, das man morgens langsam austrinkt, nicht.

Nicht übernommen: die Größe. Ein Shot ist schnell weg, löst aber das Flüssigkeitsproblem nicht. Deshalb sind es bei uns 330 ml.

"Wir sind kein koreanisches Produkt. Wir sind drei Typen vom Fußballplatz, die von einer Kultur gelernt haben, die dabei seit Generationen weiter ist als wir."

Wenn du mal in Korea bist

Such dir morgens einen Laden, in dem nur ältere Männer sitzen und Suppe essen. Zeig auf das, was dein Nachbar hat. Iss es, solange es zu heiß ist.

Danach verstehst du 5AM ohne weitere Erklärung.

Party today. Perform tomorrow.